Das ZDF hat es unfreiwillig dokumentiert: Wie abgehoben eine Politikerkaste geworden ist, die sich selbst feiert, während das Land sie auslacht. Hauptdarsteller: Philipp Amthor, frisch erkorener Staatsminister für Bund-Länder-Angelegenheiten.
Der Mann, der in seinem Leben noch nie außerhalb von Hörsaal, Burschenschaft und Bundestag einen Cent in der freien Wirtschaft verdienen musste, lässt sich in seiner neuen Residenz im Kanzleramt filmen. Eine Residenz, die er nicht bezahlt, aber bewohnt wie ein kleiner Sonnenkönig.
Die Ausstattung: Eine Le-Corbusier-Sitzlandschaft, Design-Klassiker für mehrere zehntausend Euro – bezahlt vom Steuerzahler. Damit es nach „Heimat“ aussieht, lässt sich der Mecklenburg-Vorpommer einen Strandkorb auf den Balkon des Kanzleramts liefern. Ein Requisit für die Instagram-Story, das nach dem ersten Shitstorm sofort wieder verschwinden musste. Bezeichnender könnten Karrierismus und Bodenlosigkeit nicht sein.
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Und dann steht er da, im feinen Zwirn, wie eine Figur aus einem Loriot-Sketch, und sagt zu dem Mann, der den Korb schleppt: „Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich den mal nutze, zum Erholen, dann kann ich mir den immer noch in den Kanzlergarten drehen.“
Darunter, im Kanzlergarten, will er einen Fuchs beobachtet haben. Den „Kanzleramtsfuchs“. Der Mann hat die Verbindung zu normalen Menschen längst verloren. Er beobachtet von oben.
Amthor ist sichtlich berauscht davon, ganz oben angekommen zu sein – ohne je unten gewesen zu sein. Also philosophiert er in die Kamera: „Dass Glaubwürdigkeit zu Fuß kommt, aber mit dem Pferde davonreitet.“ Ein Satz, den er selbst am besten widerlegt. Glaubwürdigkeit erarbeitet man sich im Beruf, im Leben, in der Verantwortung. Amthor erarbeitet sie sich auf der Rückbank einer Luxuslimousine, in der er sich von Termin zu Termin chauffieren lässt – mit feinem San Pellegrino in der Hand.
Der Kontrast könnte brutaler nicht sein: In Taucha, beim Jahresempfang der CDU Nordsachsen, soll er die Basis motivieren. Die Stimmung ist im Keller, die Umfragen im freien Fall. Was hat der kleine Prinz aus Berlin zu sagen? „Die CDUler sollten stolz sein auf ihre Partei.“ Und dann grinst er: „Wer soll es denn sonst tun, wenn wir es nicht schaffen?“ Das ist die ganze politische Substanz des aalglatten Karrieristen: Selbstbeweihräucherung als Programm.
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Sein Mittel zur Volksnähe: Das Selfie-Ritual. Kein Besuch ohne gekünsteltes Grinsen in die Handykamera. So auch bei der Jungen Union in Mecklenburg-Vorpommern, während die eigene Partei am Fall Jens Spahn – Leihmutterschaft trotz gegenteiliger Programmatik – zerbricht. Amthor beschwichtigt mit Sonntagsreden über das Bürgerlich-Konservative. Genau das, was er selbst nur spielt.
Während die CDU in Berlin in der Gropiusstadt abgewatscht wird, während die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern der Kandidatin mit Fischbrötchen-T-Shirts entgegenschreien – „Das Land geht unter. Alles ist teuer. Ihr seid doch bekloppt!“ – sitzt Amthor oben auf seinem Balkon und schaut auf den Fuchs.
„Inside CDU“ zeigt keine Partei im Wahlkampf. Es zeigt eine abgehobene Kaste im Selbstschutz-Modus. Und Philipp Amthor ist ihr perfektes Gesicht: naseweiß, nie außerhalb der Politik gefordert, vollends ohne Bodenkontakt, aber mit einem Strandkorb auf Staatskosten und einem Platz in der ersten Reihe, wenn es darum geht, den Bürgern zu erklären, warum sie stolz sein sollen.


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